Was ist PECS®?

Das Picture Exchange Communication System (PECS®) ist eine Methode, die Menschen ohne oder mit eingeschränkter Lautsprache dabei hilft, sich mitzuteilen. Dabei tauschen sie Bildkarten aus, um Wünsche, Bedürfnisse oder Gedanken auszudrücken – zum Beispiel, indem sie das Bild eines Apfels überreichen, um zu zeigen, dass sie Hunger haben. So können auch Menschen, die (noch) nicht sprechen können, aktiv kommunizieren und werden nicht auf das bloße Verstehen von Sprache reduziert.

Bilder als Kommunikationshilfe für Autismus kennenlernen.

Phase I - Wie man kommuniziert!

Mit unterschiedlichen Menschen über Bilder als Autismus-Kommunikationshilfe interagieren.

Phase II - Distanz und Beharrlichkeit

Bei der Autismus-Kommunikationshilfe Bilder differenzieren lernen.

Phase III - Bilder unterscheiden

Phase IV - In Sätze kommunizieren

Ganze Fragen mit der Autismus-Kommunikationshilfe beantworten.

Phase V - Fragen beantworten

Phase VI - Kommentieren

PECS® ist geeignet für Menschen aller Altersklassen - von der Frühförderung bis ins hohe Alter. Neben Autismus-Spektrum-Störung wurde es bereits mit über 40 weiteren Diagnosen eingesetzt. PECS® wurde in einem Vorschulprogramm entwickelt und lässt sich problemlos von Fachpersonen und Eltern in allen Einrichtungen und daheim anwenden.

Wann ist PECS® sinnvoll?

PECS® ist besonders sinnvoll für Menschen, die (noch) keine oder nur eingeschränkte Lautsprache haben und einen Weg brauchen, aktiv auf andere zuzugehen – zum Beispiel Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung, geistiger Behinderung oder anderen Kommunikationseinschränkungen. Es eignet sich besonders gut für Menschen, die noch nicht verstanden haben, dass Kommunikation überhaupt ein Austausch ist, oder die durch Imitation motorischer Handlungen noch nicht lernen.

Der Einstieg ist mit PECS® ist schnell und unkompliziert - so werden herausfordernde Verhaltensweisen, die beispielsweise durch die Unfähigkeit, seine Wünsche mitzuteilen entstehen, rasch reduziert. Es ist auch dann sinnvoll, wenn die Voraussetzungen für komplexere Systeme (z. B. die Bildunterscheidung) noch nicht vorhanden sind, da PECS® mit effektiven Lehrstrategien diese Fertigkeiten gezielt und effektiv beibringt. Es funktioniert außerdem gut, wenn Bezugspersonen (Eltern, Lehrkräfte, Therapeuten) konsequent mitziehen können, da der Erfolg stark von der richtigen Anwendung im Alltag abhängt.

Weniger geeignet ist PECS® meist, wenn Lernende ein großes Interesse daran haben, über sich und ihr Umfeld zu kommentieren, da dies erst später im System aufgegriffen wird.

Woher weiß ich, das PECS® funktioniert?

Das Picture Exchange Communication System kann auf über 40 Jahre Erfahrung und Forschung zurückblicken und ist damit eines der am intensivsten untersuchten Ansätze in diesem Bereich. Über 270 Publikationen wurden seit seiner Entwicklung in den 1980er Jahren veröffentlicht. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, besuchen Sie unsere Forschung-Seite und sortieren Sie die Abstrakte nach dem gewünschten Thema.

Low-Tech PECS® oder High-Tech Talker

Low-Tech PECS® arbeitet mit echten Bildkarten aus Papier oder Karton, die ausgetauscht werden. Das macht das System robust, interaktiv, überall einsetzbar und unabhängig von Strom oder Technik – ideal für den Einstieg, da der Karten-Austauschs die Wechselseitigkeit von Kommunikation sichtbar macht und Lernende unterstützt, die selten oder nicht imitieren.

High-Tech Talker (elektronische Sprachausgabegeräte, oft Tablets mit spezieller Software) erzeugen beim Antippen eines Symbols eine gesprochene Sprachausgabe. Das ermöglicht mehr Wortschatz und eine "eigene Stimme", erfordert aber Strom, Wartung und oft mehr motorische sowie kognitive Voraussetzungen.

In der Praxis werden beide oft kombiniert oder nacheinander eingesetzt: PECS® als Basis, um das Prinzip der sozialen Kommunikation und der Initiative zu lernen, High-Tech-Systeme später, wenn mehr Ausdrucksvielfalt gebraucht wird.

Was sind die Grenzen von PECS®?

Im Gegensatz zu häufig gehörten Argumenten, schränkt ein Low-Tech Bildkarten-system den Lernenden nur insofern ein, wie wir als Lehrende es durch die Planung unserer Aktivitäten erlauben. Allerdings ist das Herstellen der laminierten Bildkarten zeitaufwendig und benötigt das entsprechende Material. Bilder können verloren gehen.

PECS® und auch die dazugehörige PECSTalk™ App sind nicht in der Lage, komplexe Äußerungen grammatisch anzupassen. Hier muss der Kommunikationspartner darauf achten, Sätze korrekt vorzulesen.

Das PECS® Protokoll fokussiert zunächst das Anfragen. Die Gründe hierfür liegen in der empirischen Erfahrung mit Menschen im Autismusspektrum, die zeigen, dass sie in der Regel häufiger anfragen als ihre Umwelt zu kommentieren. Auch wenn PECS® mittlerweile bei vielen unterschiedlichen Diagnosen angewandt wurde, passt die systematische Vorgehensweise eventuell nicht für Ihren individuellen Lernenden. Vor- und Nachteile des Systems müssen also gut abwogen und überprüft werden.

Ist PECS® Level 1 das Richtige für mich?

Eine PECS-Fortbildung bietet mehr als nur die Einführung in das Picture Exchange Communication System. Was werden Sie also lernen:

Die 6 Phasen des PECS®-Trainings – vom ersten spontanen Austausch einer Karte gegen einen gewünschten Gegenstand, über das Unterscheiden verschiedener Bilder, bis hin zum Bilden von Sätzen und dem Beantworten von Fragen sowie dem Kommentieren.

Praktische Handgriffe, z. B. wie man als Kommunikationspartner richtig auf einen Austausch reagiert (sofort, konsequent, ohne verbale Aufforderung wie "Was möchtest du?"), und wie man die sogenannte "Zwei-Personen-Prompting-Technik" in Phase 1 einsetzt, um spontanes Kommunizieren zu fördern.

Fehler, die man vermeiden sollte – etwa zu früh verbale Aufforderungen einzubauen, zu wenig verstärkende (motivierende) Gegenstände zu identifizieren, oder das System zu starr statt alltagsnah einzusetzen.

Außerdem nehmen viele Teilnehmende ein besseres Gefühl dafür mit, wie man die Motivation der Person im Blick behält (z. B. durch vorheriges Herausfinden von Motivatoren) und wie man PECS® in reale Alltagssituationen integriert, statt es nur isoliert zu üben.

Jede PECS® Fortbildung beinhaltet außerdem eine Vielzahl effektiver Lehr- und Fehlerkorrekturstrategien, die sich auf ein breites Spektrum Ihrer täglichen Arbeit übertragen lassen.

Für jemanden, der bereits mit Unterstützter Kommunikation (UK) arbeitet, liegt der Mehrwert der Fortbildung weniger im Grundprinzip "mit Bildern kommunizieren" – das ist ja schon bekannt – sondern in dem, was PECS® spezifisch und anders macht:

Der Fokus auf Initiative statt Reaktion. Viele UK-Systeme (z. B. Kommunikationstafeln oder High-Tech-Talker) werden oft so eingeführt, dass die Person auf Fragen antwortet oder auf ein Symbol zeigt, wenn sie dazu aufgefordert wird. PECS® ist von Anfang an darauf ausgelegt, dass die Person selbst aktiv wird – sie steht auf, geht zur Bezugsperson und überreicht die Karte, ohne dass vorher gefragt wird "Was möchtest du?". Das ist ein bewusster Bruch mit der klassischen Frage-Antwort-Logik.

Das strukturierte, verhaltensanalytische Trainingsprotokoll. PECS® basiert auf angewandter Verhaltensanalyse und hat ein sehr genau festgelegtes Phasenmodell mit klaren Kriterien, wann man zur nächsten Phase übergeht. Das unterscheidet sich von vielen offener gestalteten UK-Ansätzen, bei denen der Einstieg individueller und weniger schrittweise vorgegeben ist. Gleichzeitig schafft es Verantwortlichkeit für den Erfolg und die Effektivität des Ansatzes.

Die "Zwei-Personen-Technik" zu Beginn. Gerade Phase 1, in der eine zweite Person rein körperlich unterstützt (ohne Sprache!), ist für erfahrene UK-Fachkräfte oft ein neuer, zunächst ungewohnter Kniff – weil man instinktiv doch etwas sagen möchte.

Kurz gesagt: Sie nehmen vermutlich mit, dass PECS® kein neues "Vokabular" ist, sondern eine sehr spezifische Methodik, um Kommunikation von der ersten Sekunde an selbstinitiiert statt reaktiv aufzubauen – und dass sich das gut mit Ihren bestehenden UK-Kenntnissen kombinieren lässt.

Für jemanden, der PECS® bereits kennt oder von Kollegen davon gehört hat, aber Sicherheit in der korrekten Anwendung sucht, liegt der Nutzen der Fortbildung vor allem in der Selbstüberprüfung und Auffrischung: Die Teilnahme bietet die Gelegenheit, eigene Vorgehensweisen mit dem offiziellen Protokoll abzugleichen und typische Fehlerquellen zu erkennen, die sich über Zeit einschleichen können – etwa zu frühes verbales Prompten oder ein zu schnelles Voranschreiten durch die Phasen, ohne dass die Kriterien wirklich erfüllt sind.

Die PECS®-Fortbildung selbst hat keine Abschlussprüfung. Sie können die Inhalte auffrischen und praktisch üben, aber erhalten kein formales, geprüftes Gütesiegel für Ihre Anwendung. Wer wirklich sichergehen möchte, korrekt und nach aktuellem Standard zu arbeiten, wird deshalb auf die offizielle PECS®-Zertifizierung verwiesen – diese beinhaltet eine echte Prüfung der Kenntnisse und Fertigkeiten und ist damit der konsequente nächste Schritt für alle, die Wert auf nachweisbare Qualität legen.

Was steckt im PECS Level 1?

​Was genau lernen Sie im PECS Level 1 Kurs – und wofür brauchen Sie das im Alltag? Hier finden Sie auf einen Blick, wie der Kurs aufgebaut ist, welche Lernziele Sie in jedem Modul erwarten und was Sie danach sicher anwenden konnen.

Grundlagen der Kommunikation

Sie verstehen die Philosophie des Pyramid-Ansatzes und können einschätzen, wie Sie Kommunikation erfolgreich in sinnvolle, motivierende (Lern-)Aktivitäten einbauen.

Der physische Austausch

Sie können den ersten spontanen Bildaustausch anbahnen und Hilfestellungen gezielt ausblenden.

Distanz und Ausdauer

Sie lernen gezielt den Austausch auf verschiedene Personen, Orte und Alltagssituationen übertragen, und damit Kommunikation zu einem zuverläsasigen und robusten System für Ihre Lernenden zu machen.

Bildunterscheidung

Sie können Symbolunterscheidung gezielt aufbauen und Fehler korrekt korrigieren.

Satzstruktur

Sie können den Übergang vom Einzelbild zum vollständigen Satz anleiten. Sie werden lernen, wie die Verwendung komplexerer Sätze angebahnt werden kann.

Praxistransfer

Sie können eigene Fallbeispiele einordnen und wissen, welche Schritte und Methoden danach sinnvoll sind.

Der PECS Level 1 im Vergleich:


PECS Level 1

  • Zielgruppe: Einsteiger:innen ohne Vorkenntnisse
  • Modalitäten: Bilder, vorrangig Low-Tech, Übergang zum Talker
  •  Fokus: theoretische Grundlagen zur besseren Entscheidungsfindung, Phase I–IV, praktische Übungseinheiten


PECS Level 2

  • Zielgruppe: Teilnehmer:innen mit Level-1-Abschluss
  • Modalitäten: Bilder, bildbasierte Unterstützung sich entwickelnder Verbalsprache
  • Fokus: Vertiefung Phasen IV + Attribute - Phase VI;  komplexere Sätze, Fragen beantworten, Problemlösung

Kommunikations-
fertigkeiten für mehr Selbständigkeit

  • Zielgruppe: Einsteiger:innen ohne Vorkenntnisse
  • Modalitäten: Sprache, Gebärden, Bilder, Talker
  • Fokus: Expressive und Rezeptive Kommunikationsfertigkeiten als Ergänzung der PECS Level 1 Inhalte oder alleinstehend

Teilnehmer können danach:

PECS-Materialien selbstständig erstellen und anpassen

Den Austausch bei Ihren Lernenden gezielt anbahnen

Typische Fehler in der Umsetzung erkennen und vermeiden

Das Kommunikationstraining an individuelle Bedürfnisse anpassen

Sicher zwischen Phase I–VI navigieren

Kommunikationsumstände und -funktionen bewerten

Forschung & Fakten zu PECS®

Ob für Fachgespräche oder die eigene Recherche: Hier finden Sie fundierte Fakten zu PECS – mit direktem Zugang zu Studien und einem druckfertigen Factsheet.

PECS Trainingshandbuch

FORSCHUNG

PECS® ist ein evidenzbasiertes Protokoll zur Vermittlung funktionaler Kommunikationsfertigkeiten mit mehr als 270 Publikationen weltweit und über 40 Jahren Erfahrung in verschiedenen Settings auf der ganzen Welt.

Hier erfahren Sie mehr über die Forschung hinter diesem erfolgreichen Ansatz.

PECS Level 1 Factsheet

FAKTEN

Sie möchten die Informationen dieser Seite mit Ihrem Arbeitgeber oder einem Kollegen teilen? Laden Sie hier unser hilfreiches Factsheet herunter.

Praktische Kursdetails

Diese Fortbildung wird in verschiedenen Formaten angeboten:

  • als 2-Tages Kurs mit je 8 Stunden (Online oder Präsenz)
  • als Abendkurs mit je 2,5 Stunden an 6 Terminen (nur Online)
  • als Vormittagskurs mit je 5 Stunden an 3 Terminen (nur Online)
  • als Wochenendkurs mit je 8 Stunden an zwei Samstagen (nur Online)

Bei Inhouse-Schulungen können individuelle Fortbildungsformate besprochen werden.

Die Gruppengröße bei Präsenzveranstaltungen beträgt zwischen 10-20 Personen.

Die Gruppengröße bei Online-Veranstaltungen beträgt maximal 25 Personen.

Unsere Fortbildungen benötigen eine Mindestanzahl, um stattzufinden. Wir informieren Sie rechtzeitig, wenn diese Mindestanzahl nicht erreicht wurde.

Kosten für 2026

  • Fachpersonen: 425,- €
  • Studenten/ Auszubildende mit Nachweis: 349-,€
  • Angehörige: 295,-€

In diesem Preis sind ein Handout der Fortbildung, das PECS®- Trainingshandbuch (2.Ausgabe) im Wert von 54,95 €, sowie ein Teilnahmezertifikat enthalten. Angehörige erhalten das Material und eine Bestätigung der Teilnahme.

Online-Kurse beinhalten zudem ein Übungspaket.

Sie können via PayPal oder auf Rechnung zahlen.

Für Privatpersonen muss die Zahlung vor Kursbeginn eingehen.

Um den rechtzeitigen Versand des Materials zu gewährleisten, sollten Anmeldung und/oder Zahlung mindestens 10 Tage vor Kursbeginn stattfinden.

Bitte lesen Sie unsere AGBs für unsere Stornobedingungen.

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